„Mein nächster beruflicher Schritt muss auf jeden Fall einen Senior-Titel haben.“
Davon ist Ken überzeugt.
Er schreibt eine Bewerbung nach der anderen.
Doch der erhoffte Erfolg bleibt aus.
Einige Unternehmen sagen ab. Bei anderen kommt er im Gespräch nicht weiter.
Ken versteht es nicht.
Auf dem Papier bringt er viel mit. Erfahrung, gute Ergebnisse, Verantwortung.
„Was mache ich falsch?“
Ich stelle ihm eine andere Frage:
„Was beinhaltet dieser Senior-Titel für Dich? Welche Rolle möchtest Du übernehmen? Welche Aufgaben? Und was möchtest Du bewirken?“
Ken schweigt.
Bisher hat er vor allem vor Augen, wofür der Senior-Titel steht: beruflicher Aufstieg, Anerkennung, ein sichtbarer nächster Schritt.
Viel weniger hat er sich damit beschäftigt, was er in dieser Rolle jeden Tag tun wird. Was ihm wirklich liegt. Wofür er sich begeistert. Und was er mit seiner Arbeit bewirken möchte.
Wir arbeiten heraus, welche Aufgaben Ken liegen, was er besonders gut kann, welche Verantwortung er übernehmen und was er bewirken möchte.
Und wir schauen ebenso genau hin, was die angestrebte Senior-Rolle von ihm verlangt und wo ihm dafür noch etwas fehlt.
Damit verändert sich Kens Blick auf seinen nächsten beruflichen Schritt.
Der Senior-Titel rückt in den Hintergrund. Stattdessen fließen seine Fähigkeiten, Interessen und die tatsächlichen Anforderungen einer Position stärker in seine Suche ein.
Plötzlich kommen Stellen in Betracht, die er vorher ignoriert hat.
Und noch etwas verändert sich:
Ken geht anders in seine Bewerbungsgespräche. Selbstsicherer und mit spürbar mehr Begeisterung.
Jetzt bewirbt er sich nicht mehr auf einen Titel. Er spricht über Aufgaben, die ihn interessieren, über das, was er besonders gut kann, und darüber, was er bewirken möchte.
Diese Klarheit halte ich bei beruflichen Entscheidungen für enorm wichtig.
Denn ich habe auch Menschen erlebt, die sich hervorragend präsentieren und verkaufen und damit Positionen erreichen, deren Anforderungen sie anschließend nicht erfüllen können.
Im Bewerbungsprozess fällt das nicht auf. Erst im Arbeitsalltag wird sichtbar, dass Rolle und Fähigkeiten nicht zusammenpassen. Dann trennt man sich nach kurzer Zeit wieder.
Karriere entsteht nicht durch den Titel, sondern durch das, was Du in einer Rolle bewirken kannst.
Was erlebst Du in Bewerbungsprozessen? Wie offen und klar wird aus Deiner Erfahrung darüber gesprochen, was beide Seiten wirklich erwarten und anzubieten haben?