Vier Jahre Erfolg - und was dann?

Ein Gespräch über Haltung, Kultur und die stillen Gefahren von Selbstüberschätzung

„Wenn du einen Mann zerstören willst, gib ihm vier Jahre Erfolg.“

Ein Satz, der bleibt. Leise und nachdrücklich.

Warum er mir wichtig ist?

Weil er eine Wahrheit berührt, die in Führung und Management gern übersehen wird: Erfolg kann blenden. Wenn alles rund läuft, werden Rückfragen rar, Selbstreflexion zur Kür, Zweifel zum Störfaktor.

Manchmal beginnt genau dann die innere Erosion, weil niemand mehr sagt, was fehlt. Weil Selbstkritik vom Applaus übertönt wird.

Erfolg kann stabilisieren. Oder isolieren. Es hängt davon ab, wie wir damit umgehen.

Vor Kurzem habe ich diesen Satz von einem Geschäftsführer gehört, der ihn nicht nur zitiert, sondern ernst nimmt. Er spricht über Kultur, weil sie das Fundament seiner Führung ist, nicht weil es im Leitbild steht.

Mich hat der Erfolg beeindruckt und noch viel mehr seine Haltung.

👉 Er spricht über Verantwortung in der Führung, über Klarheit und darüber, wie er zu Diskussionen und Innovation einlädt. Er achtet darauf, Menschen in ihrer Rolle zu stärken, ohne sie in Schablonen zu pressen. Anerkennung versteht er nicht als Standardfloskel, sondern als präzisen Impuls – ob intern, extern oder international. Wirkung darf viele Formen haben, auch jenseits klassischer Karrierewege.

In seinem Unternehmen spielen Statussymbole keine Rolle mehr, das Center of Excellence hingegen sehr wohl. Moderne Hierarchie zeigt sich in der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und mitzugestalten. Menschen bleiben, weil sie wirksam sein dürfen, ohne sich verbiegen zu müssen. Sie arbeiten in einem Umfeld, das Sicherheit gibt – und das fördert Qualität. Hier zählt Haltung, nicht der Titel.

👉 Er fördert eine Unternehmenskultur, in der kreative Spannung ihren Platz hat – unabhängig von Funktion oder Titel. Challenge und Care gehören zusammen. Fehlerkultur bedeutet für ihn nicht Störung, es ist ein notwendiger Teil von Entwicklung.

Das Gespräch hatte Tiefe. Worte, die mit Erfahrung gefüllt sind. Gedanken, die Raum lassen, um weiterzudenken. Präsenz, die nicht laut ist. Sie ist spürbar, denn er  meint, was er sagt.

📌 Was mich bewegt hat, war die Konsequenz, mit der er diese Haltung lebt. Entscheidungen, die sichtbar mit Werten verbunden sind. Räume, in denen Haltung wachsen kann. Ein Klima, in dem Menschen sich zeigen und entwickeln dürfen.

Vorbildfunktion entsteht hier nicht durch Inszenierung. Sie entsteht im Verhalten, im Zuhören, im Zulassen, im Vertrauen. Unternehmenskultur wächst nicht an Leitsätzen, sondern an dem, was täglich vorgelebt wird.

📌 Führung, die Orientierung gibt. Führung, die fordert und schützt. Ein Mensch, der es ernst meint, kann den Unterschied machen.

Britta Balogh